Skulpturengarten

Der Skulpturengarten wurde ab 1972 von Johannes Cladders, Hans Hollein und Peter Latz für den ehemaligen Abteigarten erdacht.

Mauro Staccioli, Anello, 2001, Skulpturengarten, Mönchengladbach

Mauro Staccioli, Anello, 2001, Skulpturengarten, Mönchengladbach, Foto: unbekannt

Der Skulpturengarten ist von zwei gartenarchitektonischen Konzepten geprägt, den Reisterrassen Hans Holleins mit dem Bepflanzungsplan des Landschaftsarchitekten Peter Latz in der oberen Hälfte (1974–1982) und dem pseudobarocken Parterre von Karl Birkigt im unteren Teil (1975). Beide Konzepte haben den ehemaligen Obstgarten der Mönche architektonisch umgestaltet. Im oberen Teil des Abteigartens befinden sich seit 1982 die Skulpturen Soft Inverted Q von Claes Oldenburg, Tree of Water / Breath of Leaves von Giuseppe Penone, Juan von Bernhard Luginbühl und Königsstuhl von Anatol. Hinzu gekommen ist der durch eine niedrige Mauer getrennte Pfarrgarten im Westen, der an das romanische Münster grenzt.

Oldenburg Claes Soft Inverted Q 1976 79 Inv9578 Foto Achim Kukulies 1

Claes Oldenburg, Soft Inverted Q, 1976–79, Skulpturengarten, Mönchengladbach, Foto: Achim Kukulies

Penone Giuseppe Tree of Water Breath of Leaves 1981 82 Inv9651 Foto Wolfgang von Contzen

Giuseppe Penone, Tree of Water / Breath of Leaves, 1981–82, Skulpturengarten, Mönchengladbach, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Wolfgang von Contzen

Luginbuehl Bernhard Juan 1965 Inv9618 Foto Wolfgang von Contzen

Bernhard Luginbühl, Juan, 1965, Skulpturengarten, Mönchengladbach, Foto: Wolfgang von Contzen

2002 wurde aus Anlass der dezentralen Landesgartenschau EUROGA 2002 plus, im Rahmen der „Kunstwege“, das Programm des Skulpturengartens erweitert. Mit Mitteln des Landes NRW und der Stadt Mönchengladbach konnten sechs Skulpturen namhafter Bildhauer:innen angekauft werden. Einige Arbeiten wurden speziell für den Abteigarten entworfen. Darunter der sechs Meter hohe Anello (Ring), 2001, des italienischen Konzeptkünstlers Mauro Staccioli (1937–2018) aus Cor-Ten-Stahl. Die elegante Skulptur nimmt die Situation ihrer Aufstellung beinahe wörtlich, indem sie den Hang der unteren Wiese herunterzurollen scheint. Die fast hieratische Mitte der Parkanlage gerät in Bewegung.

Ebenfalls aus der Generation konstruktiver Konzeptkunst kommt der französische Künstler François Morellet (1926–2016). Seine fast drei Meter hohe Sphäre, eine Kugel, die aus vergitterten Rechteckstäben in Edelstahl gebildet wird und sich bereits im Besitz der Stadt befindet, veranschaulicht die Durchdringung von Sphäre und Kubus weniger als haptische, denn als optische, substanzlose Form. Die fast schwebende Morellet-Skulptur beherrscht den unteren Teil der Wiese im Pfarrgarten. Der obere Teil gehört einer neueren Art des Konzeptualismus. Die Flause (1998) des Wiener Künstlers Franz West (1947–2012) besteht aus einer pinkfarbenen pillenförmigen Aluminiumskulptur, die leicht aus der senkrechten Achse gerückt ist, ein Capriccio, das Pop-Art, Happening und Selbstreflexion auf skurrile Weise vereint.

Am Treppenweg zurück zum Abteigarten steht die intime bronzene Stele der Mönchengladbacher Künstlerin Maria Lehnen (1949–2025). Archaische Sphinxhaftigkeit verbindet sich mit weiblicher Erotik und schafft gedankliche Sichtachsen zum „männlichen“ Stuhl von Anatol. Die übrigen Skulpturen sind Arbeiten dreier jüngerer Künstler, die der Ästhetik der neunziger Jahre verpflichtet sind. Der amerikanische Künstler Jorge Pardo (*1963) schuf eine Gruppe von sechs kleineren Bronzeskulpturen, die die Wege oberhalb und seitlich der Fontäne säumen. Ihre organisch-abstrakten Amöbenformen haben Öffnungen und tragen Plastiksäcke. Wie der Titel Garbage Can verrät, dienen sie als Abfallbehälter, indem sie die Rolle der Skulptur chamäleonhaft mit jener eines nützlichen Gegenstandes verbinden.

Dan Peterman (*1960) aus Chicago thematisiert die Rolle des Abfalls und der Vergänglichkeit durchgängig in seinem Skulpturenmaterial. Die Baumwurzel einer Rotbuche in einer Turmruine der alten Stadtmauer am Spatzenberg ist der Ausgangspunkt seiner begehbaren Skulptur. Platten und Sitze aus recyceltem Kunststoff integrieren die tote Wurzel zu einem stillen Winkel; ein Paradigma für Beständig- und Vergänglichkeit.

Die Verbindung von Natur, Kunst und Leben wird nirgends so deutlich wie bei dem Baumhaus des Hamburger Bildhauers Stefan Kern (*1966). In luftiger Höhe um den Stamm einer alten Kastanie angeordnet ist diese quadratische Plattform aus Aluminiumblech eine utopische Verselbständigung benachbarter Bau- und Dekorideen Hans Holleins. Der auf eigene Gefahr begehbare und leuchtende Ausguck schwebt wie ein Ufo in den Baumkronen.

Morellet Francois Sphere trames 1962 76 Inv9353 Skulpturengarten Moenchengladbach Foto Uwe Riedel

François Morellet, Sphère trames, 1962/76, Skulpturengarten, Mönchengladbach, Foto: Uwe Riedel

West Franz Flause 1998 Inv10231 Foto Wolfgang von Contzen

Franz West, Flause, 1998, Skulpturengarten, Mönchengladbach, Foto: Wolfgang von Contzen

Lehnen Maria Idol XII 1989 Inv10225 Foto Kukulies Achim 2024 1

Maria Lehnen, Idol XII, 1989, Skulpturengarten, Mönchengladbach, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Achim Kukulies

Anatol Koenigsstuhl 1969 Inv9491 Foto Wolfgang von Contzen

Anatol, Königsstuhl, 1969, Skulpturengarten, Mönchengladbach, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Wolfgang von Contzen

Pardo Jorge Garbage Can 1999 Inv10218d Skulpturengarten Moenchengladbach Foto Uwe Riedel

Jorge Pardo, Garbage Can, 1999, Skulpturengarten, Mönchengladbach, Foto: Uwe Riedel

Peterman Dan Archive Tree 1997 2002 Inv10282a Skulpturengarten Moenchengladbach Foto Uwe Riedel 1

Dan Peterman, Archive (Tree), 1997/2002, Skulpturengarten, Mönchengladbach, Foto: Uwe Riedel

Kern Stefan Baumhaus 2002 Inv10281 Skulpturengarten Moenchengladbach Foto Uwe Riedel

Stefan Kern, Baumhaus, 2002, Skulpturengarten, Mönchengladbach, Foto: Uwe Riedel

Außerhalb des Abteigartens setzen Skulpturen von Alexander Calder, Thomas Rentmeister, Daniel Pflumm, Ulrike Möschel, Tanja Goethe, Rita McBride und Christian Odzuck künstlerische Signale und schaffen eine Verbindung zum Hans-Jonas-Park und zum Platz gegenüber des neuen Einkaufszentrums.

 

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag
11:00 – 17:00 Uhr

Samstag und Sonntag
11:00 – 18:00 Uhr

Eintritt: kostenfrei
Kurzführer: 2,- €

Mehr erfahren

Museum Abteiberg Logo
Museum & Stadt
Das Museum Abteiberg ist kultureller Impulsgeber der Stadtentwicklung in Mönchengladbach.
Alex Morrison, Traumstraße, 2013, Mönchengladbach
Kunst im öffentlichen Raum
Seit den 1960er Jahren gehören Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau zur Programmatik der Kultur in Mönchengladbach.
Ein Ahnungsloser Traum vom Park 2 1 Ausst2014 Foto unbekannt MAM Odzuck Geozentrik Inv10745 06
Hans-Jonas-Park
Im nahegelegenen Park am Fuße des Abteibergs befinden sich eine Reihe von Außenskulpturen aus verschiedenen Zeiten der Museumsgeschichte.
Park Mc Arthur Contact M Ausst2025 MAM Foto Simon Vogel 05
Audioführungen
Sammlungswerke, Skulpturengarten, Ausstellungen und künstlerische Formate