1922–1944
1922
Der Kunsthistoriker Dr. Walter Kaesbach (Mönchengladbach 1879 – Konstanz 1961), zu dieser Zeit Museumsdirektor in Erfurt, zuvor wissenschaftlicher Mitarbeiter von Hugo von Tschudi und Assistent von Ludwig Justi an der Nationalgalerie Berlin, wo er an Justis „Galerie der Lebenden“ im Kronprinzenpalais, der ersten Museumspräsentation von Gegenwartskunst in Deutschland, mitwirkte, übergibt seine frühe Sammlung deutscher Expressionisten als langfristige Leihgabe an seine Heimatstadt Mönchengladbach. Bildung des „Kunstvereins der Dr. Walter Kaesbach-Stiftung“, den Kaesbach anstelle der Stadt selbst oder des Museumsvereins als Empfänger der Stiftung vorsieht.
Heinrich Nauen (?), Jugendbildnis Dr. Walter Kaesbach, um 1909, Museum Abteiberg, Mönchengladbach, Foto: Achim Kukulies
2. Februar 1922
Der „Kunstverein der Dr. Walter Kaesbach-Stiftung“ erstellt seine Vereinssatzung mit dem Zweck, die Stiftung von Walter Kaesbach zu übernehmen: 97 Kunstwerke des Expressionismus von Lyonel Feininger, Erich Heckel, Heinrich Nauen, Emil Nolde und Christian Rohlfs. Sie soll „der Öffentlichkeit dauernd zugänglich gemacht und im Sinne des Stifters verwaltet und ergänzt werden“.
9. Dezember 1922
Die Stiftung wird in Mönchengladbach erstmals öffentlich in den ehemaligen Schulräumen des Museums am Fliescherberg präsentiert. Die Räumlichkeiten sind begrenzt und für die Aufbewahrung von Kunst aufgrund der hohen Raumfeuchte nicht geeignet.
1924
Walter Kaesbach wird Direktor die Kunstakademie Düsseldorf, wo er u. a. Heinrich Campendonk (1929), Paul Klee (1931) und Ewald Mataré (1932) als Professoren verpflichtet.
1925
Wegen konservatorisch ungünstiger Unterbringung vorübergehende Rücknahme der Sammlung Kaesbach. Sie wird stattdessen im Kaiser Wilhelm Museum in Krefeld untergebracht.
Durch testamentarische Verfügung von Oskar Kühlen, Inhaber der Kunst- und Verlagsanstalt B. Kühlen und Vorstandsmitglied des Museumsvereins, geht dessen Wohnhaus Bismarckstraße 97 mit Kunstgegenständen und kunstgewerblichen Objekten in das Eigentum der Stadt Mönchengladbach über.
1926
Reinhold Brandts, Sohn des Mönchengladbacher Unternehmers Karl Brandts, schenkt das Haus Kaiserstraße 47 an die Stadt mit der Auflage, dass das Gebäude – das den Namen „Karl-Brandts-Haus“ tragen soll – zur Unterbringung der Stadtbibliothek sowie zu Archiv- und Museumszwecken genutzt wird.
Karl-Brandts-Haus, Mönchengladbach, 1915
6. Juni 1926
Eröffnung des Städtischen Museums für Kunst und Gewerbe (Oskar Kühlen-Stiftung) in der Bismarckstraße 97 unter der Leitung von Museumsdirektor Prof. Dr. Carl Schurz.
Oskar-Kühlen-Haus, Bismarckstraße 97, Mönchengladbach, Foto: Ruth Kaiser
1. Dezember 1928
Ausstellungseröffnung im Karl-Brandts-Haus. Kaesbach modifiziert das Konvolut seiner Stiftung und schenkt seine Sammlung nun der Stadt. Der Katalog führt 76 Werke. Hinzu kommen zwei weitere Schenkungen aus Privatbesitz sowie zwei Leihgaben. Der Künstlerkreis erweitert sich um Heinrich Campendonk, Werner Heuser, Ernst Ludwig Kirchner, Wilhelm Lehmbruck, August Macke, Heinrich Minkenberg, Wilhelm Morgner, Otto Mueller, Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff.
Blick in den Nauen-Raum der Dr.-Walter-Kaesbach-Stiftung, Karl-Brandts-Haus, Mönchengladbach, Foto: Archiv Museum Abteiberg
Blick in den Heckel-Raum der Dr.-Walter-Kaesbach-Stiftung, Karl-Brandts-Haus, Mönchengladbach, Foto: Archiv Museum Abteiberg
1932
25-jähriges Dienstjubiläum von Carl Schurz.
März 1933
Im Jahr der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der Anpassung staatlicher und gesellschaftlicher Institutionen an das nationalsozialistische Herrschaftssystem wird Walter Kaesbach als Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie zunächst beurlaubt, dann entlassen.
September/Oktober 1933
Der Museumsleiter Carl Schurz wird durch den in die NSDAP eingetretenen Münsterarchivar und Leiter der städtischen Bibliothek Julius Koenzgen ersetzt.
1934
Das Karl-Brandts-Haus wird zum „Haus der Kunst“, in dem die Kunst- und Kunstgewerbesammlungen präsentiert werden, das Oskar-Kühlen-Haus in der Bismarckstraße zum „Haus der Heimat“ für Heimatpflege und Familienforschung.
Der „Kunstverein der Dr. Walter Kaesbach-Stiftung“ löst sich auf.
Haus der Kunst (Karl-Brandts-Haus), Mönchengladbach, 1938
Jury-Treffen in der Ausstellung M.Gladbach-Rheydter Künstler. Malerei, Zeichnungen, Plastik, 1939, Haus der Kunst, Mönchengladbach
30. Juni 1937
Joseph Goebbels erwirkt den Erlass Adolf Hitlers, „die im deutschen Reichs-, Länder- und Kommunalbesitz befindlichen Werke deutscher Verfallskunst seit 1910 auf dem Gebiete der Malerei und Bildhauerei zum Zwecke einer Ausstellung auszuwählen und sicherzustellen.“
19. Juli – 30. November 1937
In der nationalsozialistischen Propaganda-Ausstellung „Entartete Kunst“ in München werden Kunstwerke der Moderne verfemt, die zuvor aus öffentlichen Sammlungen konfisziert wurden.
zwischen 17. Oktober und 27. Dezember 1937
90 von 97 Werken aus der Sammlung Kaesbach werden beschlagnahmt. Der ungefähre Zeitraum kann durch einen Briefwechsel zwischen dem Oberbürgermeister der Stadt Mönchengladbach und dem Regierungspräsidenten in Düsseldorf eingegrenzt werden, in dem es um das Einreichen von Verzeichnissen der beschlagnahmten Werke geht.
1944
Zerstörung des Karl-Brandts-Hauses durch Kriegseinwirkung, Teile des Museumsbestands werden evakuiert.