OPEN DRESS
Nairy Baghramian
mit Lukas Duwenhögger,
Danh Vo und Lutz Bacher
Lutz Bacher, Llamas, 2014, Ausstellungsansicht OPEN DRESS Nairy Baghramian mit Lukas Duwenhögger, Danh Vo und Lutz Bacher, 2014, Museum Abteiberg, Mönchengladbach, Courtesy the artist and Galerie Buchholz, Berlin/ Cologne, Foto: Achim Kukulies
Eine Ausstellung in vier Proben
Konzept / Dramaturgie: Nairy Baghramian
Ausgehend von einem Konzept, das 2008 erstmalig für einen Kunstverein entworfen wurde, findet unter dem Titel Open Dress eine Erweiterung des Gedankens in den Museumsraum statt: Der Zusammenhang und auch die Widersprüchlichkeit des Nebeneinanders unterschiedlicher künstlerischer Praktiken soll hier zur Debatte stehen. Dies auch als Reaktion und Kommentar auf einen großen und immer globaleren Kunstbetrieb, in dem es einen Zuwachs an Gruppenausstellungen gibt, worin Kunstwerke zusammengestellt werden, ohne dass eine sichtbare inhaltliche Beteiligung der Künstler:innen erkennbar ist.
Das Konzept dieser Ausstellung unternimmt den Versuch, genau diese Involviertheit an die Künstler:innen zurück zu geben. Zu erleben ist eine Serie von Ausstellungsszenen, in denen jegliche Setzung, Handlung und Veränderung von den Künstler:innen selbst entschieden wird. Eingeladen sind hierzu drei Kolleg:innen, die unterschiedlich nahe sind. Eine lange persönliche Nähe existiert zu dem Maler Lukas Duwenhögger, Absolvent der Kunstakademien in München und Düsseldorf, der seit vielen Jahren in Istanbul lebt. Zu dem jüngeren Konzeptkünstler Danh Vo hat sie seit dessen frühen Frankfurter Jahren Kontakt. Lutz Bacher hingegen, eine amerikanische Kollegin mit männlichem Pseudonym, die nach vielen Jahren der Zurückgezogenheit jetzt wieder Ausstellungen zeigt, kannte Nairy Baghramian nicht persönlich und sprach sie aus Interesse an ihrer Arbeit für dieses Projekt an.
Im Hintergrund dieser Ausstellung steht durchaus ein kunsthistorisches und -politisches Interesse: Es geht um die Gegenwart von Künstler:innen, Museen und deren Betrachter:innen. Insofern ist es bedeutend, dass hier Positionen gegenübergestellt sind, die eine unterschiedliche Wahrnehmung im institutionellen Feld der Ausstellungen und Sammlungen besitzen. Sie werfen Fragestellungen über die Notwendigkeit, die Dauer und die Quantitäten von öffentlicher Repräsentation auf. So begann die Ausstellung sehr programmatisch mit einer Einzelpräsentation entliehener Arbeiten Lukas Duwenhöggers, der vor vielen Jahren auf Distanz zum wachsenden Kunstbetrieb und den auswuchernden Ausstellungskonzepten von Kurator:innen und Institutionen ging – und gerade deshalb gedanklich und konzeptuell eine wichtige Position darstellt. Nairy Baghramian selbst, Danh Vo und Lutz Bacher erschienen in dieser ersten Szene in einem offenen Lager von Arbeiten, die lediglich ausgepackt waren. Im Dezember, Januar und März folgten weitere Objekte sowie andere Konstellationen bzw. Proben, deren mysteriös-magische Titel internationalen Bühnenbegriffen folgten.
STELLPROBE
26. Oktober – 13. Dezember 2014
ICHI-GO ICHI-E
14. Dezember 2014 – 31. Januar 2015
mit neuen Arbeiten von Lutz Bacher und Nairy Baghramian
ICHI-GO ICHI-E – japanisch, ein Treffen, eine Gelegenheit’ (‚one meeting one chance’, No-Theater):
Am 14. Dezember verändert sich die Konstellation der Werke von Open Dress zum ersten Mal: Zur Malerei von Lukas Duwenhögger kommen Objekte von Baghramian und Lutz Bacher hinzu, die bisher halb ausgepackt in einem offenen Depot innerhalb der Ausstellung sichtbar waren. Nairy Baghramian installiert Formage de Tête, eine Werkgruppe aus dem Jahr 2012, die durch eine großzügige Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen als Neuerwerbung in die Sammlung des Museums Abteiberg eingeht. Des Weiteren installiert sie die Skulptur Big Boy (1992) von Lutz Bacher sowie zwei neue bisher ungezeigte Arbeiten der amerikanischen Kollegin: Zu sehen sind der Film Infarct (2014) und die Werkgruppe Lamas (2014), eine Gruppe von siebzehn Lamas aus Pappmaché und farbigem Papier, die Lutz Bacher in Lateinamerika fand und zurzeit via Übersee nach Mönchengladbach reisen lässt: Diese Fundobjekte bevölkern ab 14. Dezember das offene Ausstellungsfoyer und weitere Bereiche des Museums.
Begleitblatt (inkl. Raumplan)
TUTTI
1. Februar – 14. März 2015
mit neuen Arbeiten von Lutz Bacher und Danh Vo,
realisiert von Danh Vo und Phung Vo
Im offenen Ausstellungsfoyer realisierten Danh Vo und dessen Vater Phung Vo die Wandarbeit Dirty Dancing. Aus New York kam Lutz Bacher, die einen Film sowie eine neue Formation ihrer Llamas installierte.
Raumplan
4. AKT
15. März – 19. April 2015
Raumplan
Zur Person
Lutz Bacher
Lutz Bacher (1943–2019) war eine US-amerikanische Künstlerin mit männlichem Pseudonym, die um 1990 unter anderem radikale körperliche und sexuelle Inhalte in die Kunst brachte. Sie zählte zur Kunstszene der Westcoast, lebte in Berkeley, hatte einige Ausstellungen unter anderem in der legendären New Yorker Galerie von Pat Hearn. Danach zog sie sich zurück. Sie lebte über Jahre in New York, reiste viel und war in der Kunstwelt wenig präsent. Um 2008 begann Bacher erneut in die Öffentlichkeit zu gehen und realisierte seither neue Einzelausstellungen, die insbesondere jüngere Kolleg:innen in den USA und Europa sehr faszinierten: Spill, Contemporary Art Museum, St. Louis, 2008; Do you love me? Kunstverein München 2009, MY SECRET LIFE, PS. 1, Contemporary Art Center, New York, 2009; Lutz Bacher, Portikus Frankfurt 2013; Snow, Kunsthalle Zürich 2013, Lutz Bacher, Aspen Art Museum, Aspen, Colorado; National Gallery of Denmark, Kopenhagen, 2014. 2014 veröffentlichte sie ein dreibändiges Kompendium als eine Art Werkverzeichnis und Künstlerbuch.
Lukas Duwenhögger
Lukas Duwenhögger (*1956 in München) studierte an den Kunstakademien in München und Düsseldorf. Seine bühnenhaften, politisch und erotisch geladenen Gemälde und Installationen wurden seit den frühen 90er Jahren in wichtigen jungen Galerien ausgestellt, so ganz zu Anfang bei Lukas und Hoffmann in Berlin, dann in Galerien in Berlin, Zürich und London. Zu den damaligen institutionellen Gruppenausstellungen zählen Oh Boy, It’s A Girl, Kunstverein München 1994, eine Ausstellung zusammen mit Werken von Ketty La Rocca im Künstlerhaus Stuttgart 1995, From the Corner of the Eye, Stedelijk Museum Amsterdam 1998, The Passion and the Wave, 6. Istanbul Biennale 1999. Duwenhögger lebt seit 2000 in Istanbul. Die einzige institutionelle Einzelausstellung Prinzenbad fand 2004 im Kunstverein Hamburg statt. Sehr bekannt wurde Lukas Duwenhöggers Wettbewerbsbeitrag für das Mahnmal zur Verfolgung Homosexueller im Dritten Reich (und danach), 2006/2007, dessen Modell unter dem Titel Celestial Teapot auch in der Documenta 12 ausgestellt war.
Danh Vo
Danh Vo (*1975 in Bà Rịa, Vietnam) studierte zunächst Malerei an der Königlichen Kunstakademie in Kopenhagen, wurde dann Absolvent der Städelschule in Frankfurt. Dort entwickelte er eine konzeptuelle künstlerische Auseinandersetzung mit Biografie und Geschichte, Religion, Ritual und persönlicher Identität, die immer wieder das Authentische und dessen Fragwürdigkeit behandelt. Ausgangspunkt ist das Aufwachsen in einer Familie vietnamesischer Boat People, die Ende der 1970er Jahren in Dänemark ankam. Seine Einzelausstellungen, sein Beitrag zur Biennale Venedig 2013 und anderen größeren Kontexten zeigen sich zumeist als Produkte einer Handlung oder Performance, oft auch mit Materialien anderer Künstler:innen, so in der National Gallery of Art in Kopenhagen, der Kunsthalle Basel, im Stedelijk Museum Amsterdam, dem Fridericianum Kassel, dem Walker Art Center in Minneapolis, der Kunsthalle Bregenz oder dem Solomon R. Guggenheim Museum in New York.