HENRIKE NAUMANN
2000
HENRIKE NAUMANN 2000, 2018, Museum Abteiberg, Mönchengladbach, Foto: Achim Kukulies
Warum ist es heute einfacher, einen gewellten Spiegel zu finden als einen geraden? Henrike Naumann legt eine zeitgeschichtliche Archäologie der Hinterlassenschaften der Postmoderne in Deutschland frei. Was macht die Allgegenwärtigkeit postmodernen Designs in Kopie der Kopie im Alltag mit den Deutschen? Welche gesellschaftlichen Auswirkungen hatte der postmoderne Bauboom ab 1990 für das Leben der Menschen in der ehemaligen DDR? Kann man sich durch Möbel radikalisieren? Und wie war das gleich noch mit der Expo 2000 in Hannover, deren Chefin wenige Jahre zuvor als Treuhand-Präsidentin die Abwicklung der Ostbetriebe verantwortete?
Naumann nimmt das Milleniumsjahr als Ausgangspunkt für eine Betrachtung der 1990er-Jahre in Ost- und Westdeutschland und der Nachwirkungen postmodernen Designs auf die deutsche Gesellschaft. Basierend auf ihren Überlegungen verwandelt sich die Große Wechselausstellung des Museums Abteiberg in einen sonderbaren ‚Deutschen Pavillon‘, eine Grabungsstätte, in der die Trümmer der Postmoderne und der Deutschen Einheit versammelt sind. Die Ausstellung bewegt sich zwischen Museum, Messestand, Concept Store, Wohnzimmer und Ruine. Expo 2000 und Terror 2000, Treuhand und Love Parade, Gerhard Schröder und Dr. Motte, Generation Golf und Möbel Höffner – ein deutsch-deutscher Pavillon gefüllt mit Objekten und Möbelstücken, subjektiv und emotional ausgewählt: aus dem Archiv der Künstlerin, aus dem Exposeeum Hannover und aus Mönchengladbachs Wohnzimmern. Ihre Videoarbeiten, die auf analogen wie digitalen Videoformaten entstehen, liegen im Raum wie Trümmer aus einer nahen Vergangenheit, die antiken Tonscherben unserer Zeit.
Das Projekt 2000 für das Museum Abteiberg handelt von der Zeit der Postmoderne in Deutschland, von einer Verbindung zwischen politischer, gesellschaftlicher und ästhetischer Wende, den Relikten dieser Zeit und ihren Versprechungen: Expo 2000 und der Jahrtausendwechsel als Höhe- und Endpunkte, danach wurde die Postmoderne als Vergangenheit notiert. Der Ort dieser Ausstellung spricht Zeichen: Das Museum Abteiberg, eröffnet 1982, war einer der Gründungsbauten der Postmoderne. Henrike Naumanns Projekt 2000 steht in intensivem Dialog mit Hans Holleins Architektur und ebenso mit seiner vorausgegangenen Ausstellung Alles ist Architektur. Eine Ausstellung zum Thema Tod (Städtisches Museum Mönchengladbach 1970), die bereits in Holleins Begriffen ein posthistorisches Grabungsfeld war.
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