Museum Abteiberg

DIE ZUKUNFT DER ZEICHNUNG: ALGORITHMUS
Das Neue in der Sammlung Etzold - Folge 2
10. Juni 2018 – 13. Januar 2019

Pressevorbesichtigung: Donnerstag, 7. Juni, 11 Uhr

Ausstellungseröffnung: Sonntag, 10. Juni, 12 Uhr

 

 

 

 

Computergrafik in der Sammlung Etzold

Seit 1970 befindet sich die Sammlung Etzold als Dauerleihgabe im Museum Abteiberg. Teil dieser Sammlung ist ein einzigartiges Konvolut an Computergrafik, dem sich nun die aktuelle Ausstellung widmet. Zu sehen sind rund 70 Grafiken sowie einige Objekte von Manuel Barbadillo, Hiroshi Kawano, Klaus Basset, Herbert W. Franke, K.O. Götz, Ken Knowlton, Manfred Mohr, Frieder Nake, Georg Nees und Zdenĕk Sýkora.
Von einer einzigartigen Werkgruppe lässt sich insofern sprechen, als die Sammler Berni und Hans Joachim Etzold die Werke größtenteils bereits Anfang der 1970er Jahre erwarben, als die ersten Ausstellungen und Veranstaltungen, die dieser künstlerischen Ausprägung Aufmerksamkeit zollten, erst wenige Jahre zurücklagen, beispielsweise die mit internationalen Künstlern besetzte Ausstellung zur Computerkunst Cybernetic Serendipity am Londoner Institute of Contemporary Arts im Jahr 1968. 1973 präsentierte im Städtischen Museum Mönchengladbach der Direktor Johannes Cladders die ebenfalls internationalen Erwerbungen der Sammler Etzold als neue Dauerleihgaben in der Ausstellung Programm, Zufall, System – Ein neuer Zweig am alten Konzept der Sammlung Etzold, in der auch einige der aktuell gezeigten Werke vertreten waren.

Die Künstler entstammten ganz unterschiedlichen beruflichen Hintergründen: Bildende Künstler, Grafikdesigner, Ingenieure, Informatiker, Mathematiker und Physiker widmeten sich gleichermaßen der Computergrafik als ästhetisches Gebilde. Dieses interdisziplinäre Profil ist charakteristisch für einen Zweig der Kunstgeschichte, der die damals neueste Computertechnologie nutzte und formal und konzeptuell zugleich ein Zeugnis der bildenden Kunst der 1960er Jahre ist.

Die Ausstellung ist Teil einer dreiteiligen Ausstellungsreihe zur Sammlung Etzold. 2017 ging dem aktuellen Teil zum Algorithmus eine erste Folge zum Thema Konstruktion voran. Letztere legte den Schwerpunkt auf Arbeiten der konstruktivistischen Avantgarde in den 1920er Jahren sowie auf die Wiederkehr des Konstruktiven seit den 1960er Jahren (9. Juli 2017 – 18. Februar 2018). 2019 folgt der dritte Teil mit Werken unter dem Gesichtspunkt Konzept. Damit bettet die Ausstellungsreihe die Computergrafik der 1960er und 1970er Jahre in Zusammenhänge ein, die für ihre kunstgeschichtliche Einordnung eine zentrale Rolle spielen: die geometrische Abstraktion einerseits und die Konzeptkunst der 1960er Jahre andererseits. Mit dem vom Künstler erdachten Programm und seinen Algorithmen – als Anweisungen, wie eine bestimmte Aufgabe erfüllt werden soll – steht ein Konzept an der Basis der Computergrafiken. Der Akt des Zeichnens wird an die Maschine delegiert, die das Programm in Form von geometrisch abstrakten Formationen visualisiert. Durch die Einbettung in die Ausstellungsreihe erweitert diese Präsentation den Fokus, der 2006 in der Ausstellung Anfänge der Computergraphik aus der Sammlung Etzold im Museum Abteiberg auf diese besondere Werkgruppe gerichtet war. 

Seit 2006 hat sich parallel zur fortschreitenden technischen Entwicklung der Bereich, in dem bildende Kunst und Technik zusammentreffen, stetig verändert. So werden Technologien virtueller und erweiterter Realität längst in der Kunstproduktion genutzt. Um ein Schlaglicht auf die gegenwärtigen Entwicklungen zu werfen, integriert das Museum Abteiberg mit dem Künstlerduo Banz & Bowinkel eine zeitgenössische Position in die aktuelle Ausstellung: Mittels einer App erweitert sich eine Computergrafik auf dem Bildschirm des Smartphones oder Tablets zur virtuellen Skulptur. Die Anwendung ,Banz & Bowinkel AR‘ ist für Android und iOS im jeweiligen Store zum Herunterladen über das WLAN des Museums Abteiberg verfügbar. Gerade von der heutigen Warte aus kann ein erneuter Blick auf die Anfänge der Zusammenschlüsse von Kunst und Computer im besten Fall für beide Positionen erkenntnisreich sein.

In einem Künstlergespräch am 1. Juli lassen Frieder Nake (*1938), Pionier der Computergrafik, und Friedemann Banz (*1980) und Giulia Bowinkel (*1983) das Publikum an einem Generationenaustausch digital arbeitender Künstler teilnehmen.  

Zur Ausstellung wird ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Künstlern und Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen angeboten. Zudem erscheint ein Ausstellungsheft mit einer Einführung in die Computergrafik, kurzen Texten zu Werk und Biographie der ausgestellten Künstler sowie mit einem Text, den Frieder Nake eigens für diese Ausstellung verfasst hat mit dem Titel „Als die Maschine dem Zeichenmeister den Zeichenstift aus der Hand nahm, selbst zu zeichnen begann, und was daraus geworden ist.“ Zusätzlich gibt es ein Vermittlungsprogramm für Schulklassen, Kinder und Jugendliche.

 

21. Juni, 19.30 Uhr
Vortrag von Dr. Ursula Ströbele, Universität der Künste Berlin
Algorithmen in der Kunst. Ästhetik des Digitalen vom Kathodenstrahloszillographen bis zur Augmented Reality
Der Vortrag widmet sich Phänomenen des Digitalen in der Kunst von den Anfängen der Computergrafik beispielsweise bei Herbert W. Franke bis zur Augmented Reality unter anderem in den Werken von Banz & Bowinkel.

 

30. Juni, 14.30 Uhr
Workshop mit Banz & Bowinkel

„Abteiberg AR“ – Wir augmentieren das Museum

Gemeinsam mit dem Künstlerduo Banz & Bowinkel durchlaufen die TeilnehmerInnen unterschiedliche Stufen der Entwicklung einer Augmented Reality-App. Auch Neulinge sind eingeladen, sich kreativ mit dem Medium App auseinanderzusetzen und unter Anleitung der Künstler Bilder aus der Sammlung des Museums nach eigenen gestalterischen Vorstellungen zu augmentierten. Alle transformierten Bilder werden zu einer alternativen digitalen Sammlung in der App zusammengeführt und exklusiv auf die Smartphones und Tablets der TeilnehmerInnen geladen.
max. 15 Personen, Teilnahme ab 15 Jahre, Anmeldung unter:
www.museum-abteiberg.de > Veranstaltungen > Praktische Kurse

   

1. Juli, 15.00 Uhr
Künstlergespräch

Generationenaustausch Computergrafik: Frieder Nake im Gespräch mit Banz & Bowinkel

Zwei Generationen Computerkünstler treffen im Gespräch aufeinander und erkunden dialogisch die Computerkunst. Im Fokus des freien Gesprächs stehen die Frage nach Originalität und Kreativität in der digitalen Kunst.

 

20. September, 19.30 Uhr
Vortrag von Prof. Dr. Sebastian Stiller, Technische Universität Braunschweig

Das Denken der Anderen

„Algorithmisch zu denken bedeutet sich zu überlegen wie man sich etwas überlegt. Diese Grundidee ist nicht neu. Algorithmen sind ein Kennzeichen des Menschen. Wir alle denken algorithmisch. Und wir benutzen Algorithmen von Anderen. Der Vortrag gibt einen kurzen und klaren Einblick in die Vielfalt der Denkweisen, die wir von Anderen übernehmen.“ (Sebastian Stiller)

 

16. – 19. Oktober 2018, 14.00 – 18.00 Uhr
Workshop für Jugendliche von 10 bis 14 Jahren

Zeichenroboter

ein Projekt im Rahmen des Kulturrucksacks NRW
Was hat ein Roboter mit Kunst zu tun? Mit Klebeband, Kabel, Batterie und Software geht’s im Museum Abteiberg los: Wir bauen Zeichenroboter. Inspiriert von der frühen Computerkunst und der Praxis von Harold Cohen nutzen wir analoge und digitale Techniken, um Bilder auf neue Art zu gestalten. Wir steuern kleine Roboter mit Stift und Farbe, die wie kleine Spinnen über das Papier laufen und erleben, wie unsere programmierten Codes in farbige Bilder übersetzt werden.

 

18. Oktober, 19.30 Uhr
Vortrag von Tobias Richter, The Light Works: Digital Imagery

Vom Algorithmus zum Werkzeug – die Entwicklung der digitalen Visuellen Effekte

Anhand von Beispielen aus Film und Game skizziert der Vortrag den Weg der wachsenden Komplexität von Algorithmen von den frühen Rasterbildern bis hin zum heutigen Spezialeffekt.

 

15. November, 19.00 Uhr
Filmvorführung

Raumschiff Enterprise, Folge 53: Computer M5, 1972
Raumpatrouille Orion, Folge 3: Hüter des Gesetzes, 1966

Vortragssaal  Museum Abteiberg  
Die Angst vor der überlegenen Maschine wird bereits in den 1960er Jahren, in der Entstehungszeit der Computergrafik, in den Massenmedien verhandelt. Eine amerikanische und eine deutsche Science-Fiction-Serie treffen im Vortragssaal ebenso aufeinander wie Technikliebe und -skepsis in deren Sci-Fi-Episoden.

 

22. November, 19.00 Uhr
Filmvorführung

2001: Odyssee im Weltraum, 1968

DEIN KINO im Haus Zoar, Kapuzinerplatz 12, Mönchengladbach
mit einer Einführung von Daniel Theveßen, M.A.
Der Kinoabend widmet sich dem Film 2001: Odyssee im Weltraum. Die Rechenmaschine HAL hat eine die Fähigkeit, die wir Maschinen gemeinhin absprechen: Sie kann empfinden. Der Film verhandelt unter Einsatz revolutionärer Spezialeffekte künstliche Intelligenz und die Beziehung von Mensch und Technologie.

 

 

 


Karl Otto Götz, Statistisch-metrischer Versuch 11:5, Bleistift und Filzstift auf Papier, 1960
Sammlung Etzold


Karl Otto Götz, Statistisch-metrisches Rasterbild 1:15 / 4:12 / 12:4 / 15:1, Bleistift und Filzstift auf Papier, 1960
Sammlung Etzold
Foto: Achim Kukulies