Museum Abteiberg

VON DA AN
Temporäre Wiedereröffnung des Städtischen Museums in Mönchengladbach
RÄUME, WERKE, VERGEGENWÄRTIGUNGEN DES ANTIMUSEUMS 1967 – 1978
Ein Ausstellungsprojekt des Museums Abteiberg im alten Städtischen Museum, Bismarckstraße 97
13. September – 10. Dezember 2017

Am 13. September 1967 begann ein legendäres Programm im Städtischen Museum in Mönchengladbach. Der neue Direktor Johannes Cladders eröffnete seine Amtszeit mit der ersten großen Ausstellung von Joseph Beuys. Es war eine Schau von Objekten, die nicht wie Kunst sondern wie unerklärliche Relikte wirkten: Dinge, Fundstücke auf dem Boden, angelehnt an Wänden oder gestapelt in Vitrinen. Das Museum erschien als ein kulturhistorischer Lagerplatz. Cladders und

Beuys nannten es einen Ort der Anthropologie. In den folgenden Jahren herrschten in den alten Museumsräumen in Mönchengladbach neue Begriffe für Kunst. Das Programm handelte von völlig veränderten Kunstbegriffen, zeigte dabei u.a. die erste institutionelle Ausstellung von Carl Andre (1968), Fotoserien von Bernd und Hilla Becher (1968), Raumkonzepte von Künstlern wie Hanne Darboven, George Brecht, Robert Filliou (1969), Stanley Brouwn, Hans Hollein (Alles ist Architektur. Eine Ausstellung zum Thema Tod) (1970), Marcel Broodthaers (Film als Objekt. Objekt als Film 1971), Daniel Buren (1971, 1974), Blinky Palermo, Lawrence Weiner (1973), Gerhard Richter (1974) und John Cage (1978), die heute zu den wichtigsten Protagonisten der jüngeren Kunstgeschichte zählen.

50 Jahre danach will das Museum Abteiberg eine Ausstellung realisieren, die bewusst am historischen Ort stattfindet und die dortige Geschichte der Jahre 1967 bis 1978 thematisiert.
Geplant ist ein Konzept, das den Originalschauplatz vergegenwärtigt. Es wird darum gehen, dem heutigen Publikum, das so oft über Radikalitäten der heutigen Kunst klagt, die radikal institutionskritischen Konzepte vergangener Zeiten zu vermitteln: die phänomenologische und strukturalistische Wende der bildenden Kunst und ihrer Wahrnehmung in den 1960er und 70er Jahren sowie die hieraus resultierende Vision einer neuartigen Identität von Museum. Cladders benannte sie 1968 in Anknüpfung an einen Begriff von Willem Sandberg als das 'Antimuseum'. Aus dem damaligen Programm entwickelte sich das bauliche Konzept des Museums Abteiberg (Hans Hollein, ab 1972).

Die alten Räume werden Werke der damaligen Künstlerinnen und Künstler, Dokumentationen und Rekonstruktionen ihrer frühen Präsentationen zeigen. Der Grad der Rekonstruierbarkeit von Ausstellungsszenen und -atmosphären ist ein Experiment. Aufgrund konservatorischer Einschränkungen und teils nicht mehr verfügbarer Werke verbinden sich unterschiedliche Ebenen der Darstellung: Die Räume selbst spielen die zentrale Rolle für die Vergegenwärtigung, neben originalen Objekten werden Reproduktionsmedien verwendet. Das Konzept wird gemeinsam mit der Kuratorin Susanne Rennert und dem Künstler Olivier Foulon realisiert, im Dialog mit einigen damaligen Künstlern sowie mit Künstlern der jüngeren Gegenwart, deren Präsentationsideen eine Beziehung zwischen den Zeiten herstellen.
Die leerstehenden Originalräume des Alten Museums in Mönchengladbach sind ein einmaliger Ort für die Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Institution Museum. Weder das Museum Abteiberg noch ein anderes gegenwärtiges Museum könnte eine Einfühlung in die vergangenen Räume des 20. Jahrhunderts geben. Es ist ein Experiment zur rechten Zeit, da die internationale Forschung großes Interesse an der Vorgeschichte der heutigen Museumslandschaft entwickelt: Das Projekt in Mönchengladbach ist ein Vorhaben, das historische Museumsräume und visionäre Museumsbegriffe aufeinander prallen lässt. Die Herausgabe einer Publikation der Ausstellungen 1967 – 1978, betreut durch Susanne Rennert – ein langjähriges Desiderat der Forschung, das mit Unterstützung des Landschaftsverbands Rheinland gelang – ergänzt das Vorhaben. Das Gesamtprojekt wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.