Museum Abteiberg

MONIKA BAER
Große Spritztour
6. März - 12. Juni 2016

 

Pressevorbesichtigung: Donnerstag, 3. März, 11 Uhr

Ausstellungseröffnung: Sonntag, 6. März, 12 Uhr

Begrüßung:
Hans Wilhelm Reiners, Oberbürgermeister der Stadt Mönchengladbach,
Dr. Karin Lingl, Geschäftsführerin Stiftung Kunstfonds e.V.
und Susanne Titz, Direktorin Museum Abteiberg

anschließend um 14 Uhr:
Ausstellungsgespräch mit Monika Baer


Monika Baer, Absolventin der Kunstakademie Düsseldorf in den frühen 1990er Jahren, gehört zur ersten  Generation  von  Malerinnen, die sich in der – insbesondere im Rheinland –  sehr männlich geprägten deutschen Malerszene durchsetzten, nachdem es zuvor einzelne Malerinnen waren, die durch das Geflecht der Abmachungen durchdrangen wie zum Beispiel Christa Näher. Bereits Baers frühe Werkphasen  erregten  Aufsehen  durch die  Brechung von  Erwartungshaltungen. Durch die Zusammenführung  von  Figuration mit  Erkennungszeichen  der abstrakten  Malereitradition. Durch aufgeladene Szenarien einer theatralischen Inszenierung von Motiv, Komposition und Farbe, in denen die einzelnen Elemente einander kontaminieren, weil sie einander auszuschließen scheinen. Durch Aufbrüche und Abgründe von Oberflächen, sei es als Bild oder Material, Abgänge vom Abstrakten ins Körperliche und Dingliche. Inzwischen stellt Monika Baer für internationale Künstlerinnen und Künstler der jungen Generation eine der wichtigsten und wegweisenden Positionen dar.

Das  Museum Abteiberg und  die  Kestnergesellschaft  Hannover  sind  glücklich  darüber, dass die Künstlerin eine große Werkschau für beide Häuser konzipiert hat. Sie zeigt die jüngsten Werkgruppen der Jahre 2013 bis 2016 zusammen mit  ausgewählten Arbeiten der vergangenen zehn Jahre, die in pointierten räumlichen Konstellationen zu erleben sein werden. Die Ausstellung ist im Museum Abteiberg vom 6. März bis 12. Juni, anschließend in der Kestnergesellschaft Hannover vom 2. September bis 6. November 2016 zu sehen.

Die Sujets fragwürdiger Malereigeschichte und der fraglichen gegenwärtigen Möglichkeiten der Malerei - als aktuelle Artikulations- und Reflektionsmethode - durchdringen Baers Werk bis hin zu den zwei jüngsten Werkreihen  zum Thema Alkohol aus der Zeit von 2013 bis 2015, die im  Zentrum der Ausstellung stehen: Sie zeigen zwei unterschiedliche Vorgehensweisen zu einem Thema und damit in Produktion und Präsentation ein Verfahren der Doppelgleisigkeit, das charakteristisch für Baers Werk ist. Die vorangegangene Reihe  Rote Wand (2011/2012) ist Gegenspieler der cremigen Monochromie der Schlüssellochbilder (rear paintings, 2012), deren Behauptung des minimalistisch abstrakten Bilds am trivialnarrativen Element eines Schlüssellochs scheitert. Die sogenannten  Busenbilder (ohne Titel, 2008/2009) stehen in Opposition zu den vermeintlich abstrakten monochromes (2008-2012), die in  ihrem  eingeschnittenen Spinnennetzmotiv hängenbleiben, das einem realen Spinnennetz abgenommen ist.

Die  neue  Gruppe der  Alkoholbilder  besteht  einerseits aus  einer  Serie von (bisher) fünf hellen großformatigen Bildern, in deren unterer Hälfte realistisch gemalte Flaschen in Übergröße aufgereiht sind: Deren illusionistische Trompe l’Oeil-Effekte  wirken wie  Köder, die  das willige  Auge ins Bild hineinziehen. Über diesen Flaschen erstreckt sich eine atmosphärische Leere, in der die Malerei als eine Art Halluzination vorgeführt ist: ein dynamischer Pinselduktus und skizzenhafte Zeichnungen von Gesichtern erscheinen da, die des Trinkers - oder der Trinkerin, es gibt Farbspuren, mit den Fingern aufgebracht, bei denen nicht klar ist, von wem sie stammen. Sind diese Gesten, die für Direktheit und Unmittelbarkeit  stehen, Motive innerhalb einer Narration? Die zweite Serie innerhalb der Gruppe ist mit „on hold“ betitelt. Diese Bilder erscheinen das Negativ der hellen Serie zu sein, ein geisterhaftes Gegenüber.  Manche zeigen helle, mit der Schablone  aufgetragene Labels, die der Flaschen, - nur ohne ihre Körper - die im Schwarz wirbeln. Andere haben gespachtelte Ölfarbfladen, Farbwürste, die der  Schwerkraft unterliegen, Spiegel und hier und da ein Regenbogenmotiv. Sie alle sind  Versatz-stücke aus früheren Arbeiten der Künstlerin, die hier objekthaft auf dem Schwarz erscheinen - als sei das der Ort, an dem sie eigentlich sind, wenn sie nicht in den anderen Bildern ihren Einsatz haben.

Die Skepsis gegenüber der Vorstellung von Einheitlichkeit und kohärenter Autorenschaft bestimmt die Bildauffassung. Die Unmöglichkeiten und  Möglichkeiten der  Malerei werden in ihren Problematiken aufgeführt: Das Bild als Bühne oder als in Szene gesetztes Objekt selbst, oder als beides zugleich. Die neuesten Arbeiten der Alkohol-Gruppe verstärken den szenischen Charakter von Baers Malerei, der  seit  den  frühesten Arbeiten  virulent  ist. Zugleich zeigen sie die spezifische Verbindung  von expressiver  Gestik, Abstraktion und  Pop Art, die  hier zu einer  gemeinsamen Handlung  kommen, knapp am Kollaps vorbei. An den Grenzen und Limitierungen des Bilds wird dessen etwaiges Potential besonders aktiviert. So auch  an der Grenze vom  Bild zum  Nicht-Bild, wenn die  untere Kante  als buchstäblich unten behandelt ist. Dort hin fallen die gemalten Gegenstände. Wie in Ledge und allen anderen großformatigen Alkoholbildern der Ausstellung sind die Flaschen im Bild knapp oberhalb der unteren Bildkante gemalt, fast als ruhten sie auf dem Keilrahmen hinter der  Leinwand, wie auf einer Planke. Die obere Bildkante wird genauso behandelt, wenn in einzelnen kleinformatigen Bildern ein Gegenstand auf ihr platziert wird, wie auf einer Bühne: Schlüssel, Zigarette oder Schnapsfläschchen -was die Tasche hergibt. Das  Bild wird unmittelbar zum Objekt, wenn die Leinwand aufgeschnitten und der Keilrahmen Teil der Komposition wird oder eine sichtbare Naht durch die Leinwand läuft, die ihre Teile zusammenhält - in den sogenannten Busenbildern (ohne Titel), den Bildern extended failure oder in pieces

Man könnte Monika Baers Arbeit als ein fortlaufendes Projekt sehen, in dem die Themengruppen mit ihren dazugehörigen Arbeitsweisen aus- und aufeinander folgen, wobei immer Bezüge zu früheren Arbeiten aufrecht gehalten werden und sich neue Elemente in das Arsenal einfügen. Die Motive, die hierin agieren, sind alles andere als unbelastet: Spinnennetze, Busen und Mauern, Spielkarten, Alkoholika und Schlüssellöcher. Allein die Aufzählung dieser Bestandteile zeigt Baers doppelbödigen Zugriff auf die Malerei, deren Distinktionsmerkmale – malerische Geste, Stil, bis hin zu Intention und der sogenannten Haltung – nicht mehr pur zu haben sind, sondern unrein, kontaminiert und berauschend.

Monika Baer studierte von 1985 bis 1992 an der Düsseldorfer Kunstakademie in der Klasse von Alfonso Hüppi. Baer lebt in Berlin und unterrichtet an der Milton Avery School of Fine Art at Bard, New York und am Berlin Programme for Artists. 2013/14 realisierte sie am Art Institute of Chicago und dem Williams College Museum of Art, Williamstown MA, USA, zwei große Retrospektiven ihres Werks.

Im Rahmen der Ausstellung erscheint ein neues Buch von Monika Baer.

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Stiftung Kunstfonds e.V. und die Hans Fries-Stiftung. Im Rahmen der Ausstellung förderte das Land Nordrhein-Westfalen den Ankauf eines Gemäldes für  die  Sammlung des  Museums Abteiberg. Das Projekt  wurde  konzipiert gemeinsam mit der Kestnergesellschaft Hannover und ist dort vom 2. September bis 6. November 2016  zu sehen.


Ausstellungsansicht  (Alkoholbilder)
Foto: Achim Kukulies

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Ausstellungsansicht (Alkoholbilder)
Foto: Achim Kukulies

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Ausstellungsansicht (Alkoholbilder)
Foto: Achim Kukulies

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Ausstellungsansicht (Alkoholbilder)
Foto: Achim Kukulies

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Ausstellungsansicht (Alkoholbilder)
Fato: Achim Kukulies

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Ausstellungsansicht
Foto: Achim Kukulies

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Ausstellungsansicht
Foto: Achim Kukulies

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Ausstellungsansicht
Foto: Achim Kukulies

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Ausstellungsansicht
Foto: Uwe Riedel

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Ausstellungsansicht
Foto: Achim Kukulies

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Ausstellungsansicht
Foto: Achim Kukulies

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Ausstellungsansicht (Busenbilder)
Foto: Achim Kukulies

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Ausstellungsansicht
Foto: Achim Kukulies

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Monika Baer, L, 2014
Öl auf Leinwand
250 x 220 x 4,5 cm
Photo: Jens Ziehe
Courtesy the Artist, Williams College Museum of Art, Williamstown, Massachusets Family Fund

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Monika Baer, Überlieferung verpflichtet, 2014
Acryl und Öl auf Leinwand
250 x 220 cm
Photo: Jens Ziehe
Courtesy the Artist, Galerie Barbara Weiss, Berlin
Greene Naftali Gallery, New York

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Monika Baer, In Pieces, 2013 - 2015
Öl auf Leinwand, Naht
250 x 204 x 4,9 cm
Photo: Jens Ziehe
Courtesy the Artist, Galerie Barbara Weiss, Berlin
Greene Naftali Gallery, New York

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Monika Baer, on hold (dregs), 2015
Acryl, Tusche, Öl, Spiegel auf Leinwand
180 x 135 cm
Photo: Jens Ziehe
Courtesy the Artist, Galerie Barbara Weiss, Berlin
Sammlung Claudia und Kurt von Storch, Köln

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Monika Baer, on hold (dregs), 2015
Acryl, Tusche, Öl auf Leinwand
180 x 135 cm
Photo: Jens Ziehe
Courtesy the Artist, Galerie Barbara Weiss, Berlin
Greene Naftali Gallery, New York

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!


Ausstellungsansichten und technische Angaben zu den Kunstwerken als PDF-Datei

ERROR: Content Element type "filelinks_pi1" has no rendering definition!