Museum Abteiberg

ENSEMBLIA 2015
im Museum Abteiberg
Donnerstag, 23. April, 20 Uhr

Apparat, mit dem eine Kartoffel eine andere umkreisen kann      
(Experiment einer elektroakustischen Komposition in Erinnerung an Sigmar Polke)
von Jan St. Werner und Damo Suzuki 

Der aus Japan stammende Sänger Damo Suzuki war in den Jahren 1970 bis 1973 Sänger der Band CAN. Er prägte den improvisierten Gesang in der psychedelischen Musik, tauchte für zehn Jahre unter und begann ab 1983 eigene Solo- und Netzwerkprojekte. Bis heute arbeitet und lebt Suzuki in Köln. Jan St. Werner ist gemeinsam mit Andi Thoma Initiator der 1993 gegründeten Band Mouse on Mars, die damals eine neue Anknüpfung an die Avantgarde der 1970er Jahre erfand und seither zu den wichtigsten Bands der elektronischen Musik gehört. Werner lebt und arbeitet heute in Berlin und operiert in unterschiedlichsten musikalischen Kollaborationen (vgl. Mouse on Mars: 21 again (2014)).

Ausgehend von Sigmar Polkes erstmalig gezeigten 16mm-Filmen aus den 1980er Jahren präsentiert das Museum Abteiberg in seinen Räumen ein mehrteiliges elektroakustisches Konzert, das Sigmar Polkes gesampelte und vielfach als alchimistisch beschriebene visuelle Ästhetik mit einem zeithistorischen akustischen Pendant verbindet. Damo Suzuki und Jan St. Werner führen eine elektroakustische Komposition auf, die ihre Verfahren aus dem Krautrock und diversen Formen der Improvisation in den 1970er Jahren entnimmt, dabei unterschiedliche Soundmaterialien, Gespräche und Geräusche nutzt und so Polkes Verfahren der Überblendungen und Mehrfachbelichtungen als ein akustisches Verfahren darstellt. Suzuki und Werner – die zuvor noch nie miteinander gearbeitet haben – betreiben eine akustische Reflexion, die sich zugleich innerhalb des Systems bewegt und eine Beobachtung von außen anstellt. Im Experimentieren mit verschiedenen Materialien und Perspektiven ergibt sich die interdisziplinäre Parallele zu Polke: Alles Material wird zu einem großen Bild, Alles geht in eine alchimistische Mischung ein. Jan St. Werner: „Es gibt kein Zentrum in dieser Komposition, die Elemente müssen immer wieder neu zusammengefügt werden. Was gerade wahrgenommen wurde und verblasst ist, wird wieder aus der Erinnerung zurückgeholt und mit dem Neuen verglichen. Abbild und Nachbild collagieren sich im Kopf zur eigentlichen Komposition.“