Museum Abteiberg

 

 

 

 

 

 

ANDREAS SIEKMANN
Verhandlungen unter Zeitdruck
Aus: Faustpfand, Treuhand und die unsichtbare Hand (2005 – 2008)
30. September - 17. November 2012

Weiteres Programm zur Ausstellung

Dienstag, 23. Oktober, 20 Uhr

Goldrausch – Die Geschichte der Treuhand

Dokumentarfilm, D 2012

im Vortragssaal

 

 

Die Sammlung Rheingold hat in den vergangenen Jahren komplexe Werkgruppen und Installationen erworben, Jörg Immendorffs legendäre Akademie für Adler, Peter Doigs Plakate für den StudioFilmClub, eine große Serie der Gemälde von Joanne Greenbaum, den Dream Room von Thomas Houseago oder Gregor Schneiders Atelier. Werke dieser Art haben ideale Querverbindungen zum Programm des Museums Abteiberg. Sie wurden hier gezeigt und entstanden teils gar in Ausstellungsprojekten, die das Museum in Mönchengladbach, Heimatstadt mehrerer Rheingold-Sammler, in diesen Jahren realisierte.

 

Verhandlungen unter Zeitdruck, Aus: Faustpfand, Treuhand und die unsichtbare Hand (2005-2008) von Andreas Siekmann ist ein politisch hochaktuelles Werk, das in den vergangenen Jahren eine internationale Ausstellungstournee erlebte (Shrinking Cities, ab 2005 Berlin, Leipzig, Manchester, Detroit u.a.) und anschließend von der Sammlung Rheingold erworben wurde. Es ist ein Theatrum Mundi mit kinetischen Kulissen und einer großen Serie von diagrammatischen Schaubildern. Deren Gestaltung geht auf die Ästhetik der Kölner Progressiven in den 1920er Jahren und gleichermaßen auf Schaumodelle in historischen und ökonomischen Lehrbüchern zurück: Dargestellt wird jetzt allerdings unsere heutige Zeit bzw. die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands nach der deutschen Wiedervereinigung. Siekmann illustriert den Marktmechanismus in den Verkäufen der volkseigenen Betriebe, die Strategien der deutschen Treuhandanstalt, die Gewinnrechnungen von Staat, Banken und Unternehmen. Er produziert dabei präzise Schaubilder für wirtschaftliche und gesellschaftshistorische Phänomene, die um 1990 ihren Anfang nahmen: ein Karussell der Weltfinanzwirtschaft, das man angesichts von deren heutiger Krise nochmals ganz anders und intensiver betrachtet.

 

Andreas Siekmann (*1961 in Hamm) studierte in den 1980er Jahren an der Kunstakademie Düsseldorf und beschäftigte sich bereits in den Anfängen seines Werks mit den Möglichkeiten gesellschaftskritischer künstlerischer Arbeit  in der heutigen Gegenwart. Die Wiederentdeckung von Formensprache und Zeitkritik der Kölner Progressiven, einer Avantgarde-Bewegung in den 1920er Jahren, die eine Beteiligung der Kunst an der politischen Aufklärung eingefordert und mit grafischen Darstellungsformen von Illustration, Piktogramm, Schautafeln und Bildgeschichten operiert hatte, ist ein Schlüssel für die Betrachtung von Siekmanns Werk: Beginnend mit seinen frühen Arbeiten in den 1990er Jahren, „Wir fahren für Bakunin“ 1993 (Frankfurt, Hamburg) oder „Platz der permanenten Neugestaltung“ (Sonsbeek 93 Arnhem 1993 / NAK Neuer Aachener Kunstverein 1997) gibt es eine virtuose illustrative Bildsprache, die komplexeste Zusammenhänge von globaler Politik und Ökonomie in klare Schaubilder bringt. Besonders prägnant wurde die Darstellung der Jeans-Hosen und ihrer Globalökonomie, installiert unter dem Titel „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ im Portikus Frankfurt 1999. Sein Werk wurde u.a. durch große Projekte für Dokumenta 11 und 12 und die Skulptur Projekte Münster 2007 der breiten Öffentlichkeit bekannt.

 

Siekmann realisierte zudem, oft in Zusammenarbeit mit Alice Creischer und anderen Kollegen, große multimediale Konzepte und Ausstellungen wie „Ex Argentina“, Museum Ludwig Köln 2004, oder das „Potosi Prinzip“, Haus der Kulturen der Welt Berlin 2010. In Mönchengladbach ist Andreas Siekmann parallel auch zum mehrjährigen Projekt „Ein ahnungsloer Traum vom Park“ 2012 -2014 eingeladen, das ausgehend vom Skulpturengarten des Museums Abteiberg in den Stadtraum greifen wird. Siekmann wird sich hier u.a. mit der Philosophie von Hans Jonas befassen (1955 - 1976 Professor an der New School for Social Research in New York; 1979 Veröffentlichung des Hauptwerks „Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation“), der 1903 in Mönchengladbach geboren wurde.

 

 

Im Rahmen des Jubiläums „10 Jahre Rheingold“ finden parallel weitere Sammlungspräsentationen im Kölner Museum Ludwig, im Museum für Gegenwartskunst Siegen und in der Kunsthalle Düsseldorf statt.

 

 

 

 


Ausstellungsansicht, Foto: Uwe Riedel


Ausstellungsansicht, Foto: Uwe Riedel


Ausstellungsansicht, Foto: Uwe Riedel


Ausstellungsansicht, Foto: Uwe Riedel


Ausstellungsansicht, Foto: Uwe Riedel


Ausstellungsansicht, Foto: Uwe Riedel


ANDREAS SIEKMANN

Ausstellungsansicht, Foto: Uwe Riedel


Ausstellungsansicht, Detail, Foto: Uwe Riedel


Ausstellungsansicht, Detail,
Foto: Uwe Riedel