Museum Abteiberg

EXPRESSIONISTISCHES II
aus der graphischen Sammlung

4. November 2012 – 17. März 2013


 

Kleines Format – Große Gefühle

 

Zeichnungen und Druckgraphiken von Ernst Barlach, Otto Dix, Käthe Kollwitz, Otto Mueller, Otto Pankok, Hermann Max Pechstein, Christian Rohlfs, Karl Schmidt-Rottluff, Wilhelm Lehmbruck und anderen aus dem Bestand

Das Museum Abteiberg präsentierte Ende 2010 schon einmal „Expressionistisches“ aus seiner Graphischen Sammlung und zeigt nunmehr eine weitere Folge dieser beliebten Kabinettausstellungen mit einer neuen Auswahl von Druckgraphiken und Unikaten auf Papier.

Das Museum kann dabei auf einen reichen Fundus zurückgreifen, der aus konservatorischen Gründen jedoch nur selten gezeigt wird und nicht zuletzt deshalb in der Öffentlichkeit nach wie vor nur wenig bekannt ist. So wird auch diesmal wieder Überraschendes aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zu sehen sein, das in einem Museum für Gegenwartskunst vielleicht nicht unbedingt erwartet wird.
Die kleine, aber hochwertige Sammlung expressionistischer Kunst verdankt das Museum Abteiberg einem Kunsthistoriker, dessen Name im Zusammenhang mit dem Museum in Mönchengladbach nicht oft genug Erwähnung finden kann. Dr. Walter Kaesbach (1879-1961), Museumsdirektor in Erfurt und späterer Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie schenkte seiner Geburtsstadt Mönchengladbach 1922 seine hervorragende Sammlung expressionistischer Kunst, die u.a. auch Werke auf Papier umfasste. Die Sammlung Kaesbach wurde allerdings 1937 mit wenigen Ausnahmen als „entartet“ beschlagnahmt und war somit für Mönchengladbach bereits nach wenigen Jahren wieder verloren. In  ihrer Wirkung sollte sich diese Schenkung allerdings als bahnbrechend und nachhaltig erweisen, denn die zukunftsweisende Ausrichtung des Museums auf die Kunst der Gegenwart war für das frühere Heimatmuseum von da an programmatisch.

Der Förderkreis im Museumsverein würdigte die Leistung Kaesbachs nicht zuletzt Anfang 2012 durch den Ankauf einer Bronze-Büste Kaesbachs, die der schweizerische Bildhauer Alexander Zschokke 1932 schuf und die seit Anfang des Jahres im Foyer des Museums steht.

Heinrich Dattenberg, erster hauptamtlicher Direktor des Museums nach dem Krieg, versuchte, die Verluste der Sammlung Kaesbach auszugleichen, indem er in den 1950er und 1960er Jahren Ankäufe anderer Kunstwerke der ehemals in der Stiftung vertretenen Künstler tätigte. Diesem Bemühen Dattenbergs verdankt das Museum Abteiberg seine kleine expressionistische Abteilung in der heutigen Zusammensetzung.

Teil I der kleinen Ausstellungsfolge im Graphischen Kabinett, der auf sehr positive Resonanz stieß, zeigte 2010 eine Auswahl aus vergleichsweise umfangreichen Konvoluten von Blättern einiger Künstler der Brücke – Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Emil Nolde – in Gegenüberstellung mit Werken des großen Individualisten Max Beckmann.

 

Teil II der expressionistischen Kabinettausstellungen präsentiert eine unkonventionelle und spannende Zusammenstellung von Arbeiten auf Papier, die weitgehend losgelöst von kunsthistorischen Kriterien eine große Bandbreite von Zeichnungen und Druckgraphiken namhafter Künstler vorstellt, von denen viele nur mit einzelnen oder sehr wenigen Blättern in der Sammlung vertreten sind. In ihrem ungewöhnlichen Nebeneinander äußert sich sehr eindrucksvoll eine schier unglaubliche Bandbreite expressionistischer Tendenzen.

Gezeigt werden ausgewählte Werke von Ernst Barlach, Otto Dix, Käthe Kollwitz, Otto Mueller, Otto Pankok, Hermann Max Pechstein, Christian Rohlfs, Karl Schmidt-Rottluff, Wilhelm Lehmbruck und anderen. So heterogen die Zusammenstellung der Blätter auch anmuten mag, eines ist ihnen zweifellos gemeinsam: sie alle interpretieren mehr oder minder dramatische Situationen und menschliche Emotionen auf sehr unterschiedliche, aber beeindruckend intensive und bewegende Weise - in kleinem Format.