Museum Abteiberg

MORGAN FISHER
Translations

23. Oktober 2011 – 5. Februar 2012

Eröffnung: Sonntag, 23. Oktober, 12 Uhr

anschließend um 14 Uhr Artist Talk: Morgan Fisher führt durch die Ausstellung

Im November folgt ein Rahmenprogramm mit Vorträgen, Filmen und vier Besichtigungsterminen der Wandarbeit von Blinky Palermo im ehemaligen Van Laack- Gebäude
Genaue Termine sind unserer Internetseite zu entnehmen.

Unter dem Titel „Translations“ realisiert das Museum Abteiberg eine Ausstellung, in der erstmalig in einem Museum die fundamentale Auseinandersetzung mit Malerei zum Thema wird, die das Werk von Morgan Fisher seit den späten 1990er Jahren bestimmt. Eine Arbeit dieser Ausstellung ist eine ausdrückliche Hommage an das Werk von Blinky Palermo (1943-1977) und nimmt Bezug auf eine kaum bekannte Wandmalerei von Palermo in Mönchengladbach. Deren Spuren kann das interessierte Publikum in den kommenden Monaten persönlich erleben.
Zwei weitere Arbeiten entwarf Morgan Fisher speziell für diese Ausstellung.
Übersetzung ist bei ihnen allen nicht nur in der vertrauten sondern auch in der wörtlichen Bedeutung zu verstehen: Als das Bewegen von einem Platz zu einem anderen. Hierauf basieren die drei Werke, zwei von ihnen als Architektur-Installationen aus Malerei. Außerdem zeigt die Ausstellung eine frühere installative Arbeit sowie zwei frühe filmische Werke, die zum ersten Mal in Europa zu sehen sind.

Morgan Fisher (*1942 in Washington DC, lebt und arbeitet in Los Angeles) wurde in den frühen 1970er Jahren als ein Experimentalfilmer bekannt. Er produzierte Filme, die der Philosophie des Strukturalismus zugeordnet wurden und das Massenmedium Film untersuchten. Dabei entstanden auch mehrere Installationen. In den späten 1990er Jahren begann Fisher, zunächst Gemälde, dann auch Installationen aus Gemälden zu zeigen. Sie wurden in den USA und in Europa ausgestellt, unter anderem im Neuen Aachener Kunstverein 2002 und im Stedelijk Museum Amsterdam 2010.
2009 erweiterte und verband er im Frankfurter Portikus die Ideen seiner filmischen und malerischen Auseinandersetzung zu einer großen räumlichen Installation.
Fisher studierte zunächst Kunstgeschichte, in Harvard von 1960 bis 1964, bevor er in Los Angeles zum Film wechselte. Er arbeitete danach für mehrere Jahre in Hollywood, zumeist als Cutter und entwickelte aus dieser Erfahrung heraus seine Experimentalfilme, die in führenden Festivals zu sehen waren, so auch in Berlin und Oberhausen: Sie verwiesen auf das moderne Massenmedium Film. Sie stellten dar, woraus sich seine Formate und Mittel erklären, und führten Aspekte der Filmindustrie vor Augen, die normalerweise versteckt und unerkannt sind.
Fishers malerische Arbeit hat ähnliche Prinzipien. Die Gemälde stellen die Ursprünge ihrer Größen und Formate dar, sie demonstrieren und hinterfragen zugleich die Konventionen, nach denen Gemälde präsentiert und angeschaut werden.
Der Ausgangspunkt von Fishers malerischem Werk ist die monochrome Malerei, die mehr als jede andere moderne Malerei auf Charakteristika von Größe und Form hinweist. Fisher macht die Größe und Form seiner monochromen Arbeiten zum Bedeutungsträger und lenkt die Aufmerksamkeit auf das Ganze dieses Gemäldes und dessen Beziehung zur Wand. So präsentiert er Gruppen von Gemälden, mit denen die Betrachter in die Lage versetzt werden, ein jedes dieser Gemälde mit den anderen zu vergleichen. Ein wichtiger Hintergrund seiner malerischen Arbeit ist die Architektur, sie definiert nicht nur die Größe und Form seiner Gemälde, sondern ebenso die Position der Hängung. In den jüngeren Werkgruppen determiniert die Architektur eine Teilung der Gemälde, so dass diese in keiner Perspektive komplett wahrgenommen werden können; ein Widerstand gegen die Erwartung, dass sich das Gemälde mit einem Blick völlig und ganz erschließt.

Fishers Ausstellung im Museum Abteiberg hat zwei Anlässe. Einerseits den Kontext der Mönchengladbacher Sammlung: In ihr findet sein Werk einen unvergleichlich markanten historischen Hintergrund. Andererseits die kürzliche Wiederentdeckung einer Wandmalerei von Blinky Palermo (1943-1977) – entstanden im Jahr 1970, als Palermo sein Atelier in Mönchengladbach hatte: Die streng reduzierte Wandarbeit war ein Auftrag des Unternehmers Rolf Hoffmann, entworfen für dessen Büro, sie wurde von den späteren Eigentümern des Gebäudes überstrichen und ist eine der insgesamt 27 Wandarbeiten Palermos, die allesamt verloren gingen. Die neuen Besitzer des Gebäudes erklärten sich im Sommer 2011 bereit, den historischen Raum und seine Spuren während der aktuell anlaufenden Sanierungsarbeiten kurzfristig zu öffnen.
In einem Essay für die Zeitschrift Artforum formulierte Fisher kürzlich seine besondere Bewunderung für den früh verstorbenen Kollegen, dessen Werk gerade erstmalig in den USA große Einzelausstellungen erhielt. Palermo schaffte es, so Fisher, die Begriffe von moderner Malerei zu erweitern und ihr den Weg für völlig neue Möglichkeiten zu öffnen („Object Lessons: Morgan Fisher on Blinky Palermo“, in: ARTFORUM, Ausgabe März 2011, S.79).
Bei näherem Hinsehen zeigt das Werk Fishers diese neuen Möglichkeiten und es erscheint wie ein Schlüssel für das Verständnis einer künstlerischen Auseinandersetzung um die heutige Bedeutung von Malerei. Hieraus erklärt sich die Einladung des Museums Abteiberg an Morgan Fisher, anlässlich der wiederentdeckten Spuren Palermos in Mönchengladbach auch eine spezielle Arbeit in Relation zu Palermo zu entwerfen.

Die Ausstellung wird realisiert in Kooperation mit der Generali Foundation in Wien, die das Werk Morgan Fishers in einer weiteren großen Einzelausstellung im Frühjahr 2012 vorstellt. Es ist eine mehrteilige Publikation in Vorbereitung, die das Werk von Morgan Fisher erstmalig umfassend darstellen wird.
Zur Ausstellung in Mönchengladbach erhalten die Besucher ein Heft mit Texten des Künstlers zu allen ausgestellten Werken.