Museum Abteiberg

SYMPHATIKUS

Einblicke in das vegetative Nervensystem der Kunst von heute

18. April - 24. Mai 1999

Yael Davids, Alicia Framis, Maria Lindberg, Bernhard Martin, Marco Mazzucconi, Maria Pask, Manfred Peckl, Avery Preesman, Gert Verhoeven, Katerina Vincourova, Sandra Voets und Steven Wilks

Der Sympathikus ist wie man weiß, ein Nerv im System des vegetativen Nervensystems, der für den Menschen wichtige, aber nicht gerade sympathische Funktionen regelt: So ist er unter anderem für Stress, Aggression und Fluchtverhalten verantwortlich, während der Parasympathikus das Wohlbefinden regelt. Kunst, so denkt man, sei für das Harmoniebedürfnis zuständig. Es sind aber gerade die in ihr enthaltenen Irritationen und Störfaktoren, die ihre Qualität und ihre Visionen ausmachen.Die zwölf vorgestellten und kurzfristig zusammengestellten Positionen junger internationaler Künstlerinnen und Künstler verbreiten diese Unruhe, auch wenn diese oft unter einer Haut von ästhetischer Bestätigung und Konformismus verborgen ist. „Sympathikus“ war eine Art Fortsetzung der Ausstellung „El niño“, die im Sommer 1998 das Abteiberg-Museum irritierte. Auf die Katastrophe von außen folgten die inneren Störfaktoren: ein Psychogramm unserer Befindlichkeit. Die unter dem Titel „Sympathikus“ ausgestellten Künstlerinnen und Künstler kommen aus unterschiedlichen Traditionen. Aber selbst dort, wo die Kunst traditionell vorzugehen scheint, bei Malerei und Skulptur, sind die neuen Medien zumindest virtuell im Spiel, und die konzeptuelle Grundnote zwingt zu ganz bestimmten Betrachtungsweisen.

Yael Davids (Israel, in Amsterdam lebend) überträgt Performance-Elemente in stilllebenhafte Skulpturen und Videoskulpturen, indem sie ihren eigenen Körper in schockierende ungewohnte Zusammenhänge bringt.

Alicia Framis (Spanien, in Amsterdam lebend) thematisiert in ihrem Video „Apart together“ Lust, Leid und Einsamkeit. Intimität wird durch Stroboskopblitze brutal entblößt und die archaische Rhythmik der Lust wird zu Standbildern eingefroren.

Sandra Voets (Düsseldorf) verändert in ihren Installationen vegetabile Formen durch Einfluß von Kälte und Abformung und, sie spiegelt sozusagen das Leben im Tod.

Steven Wilks (England) erzeugt in seinen Fotografien Nachdenklichkeit über Menschen, Situationen und Zivilisation. Das oft unerwartete Zusammentreffen unterschiedlicher Intentionen und soziologischer Faktoren gibt den poetischen Bildern ihre Brisanz: der ausgediente Kühlschrank im Schnee.

Maria Lindberg (Schweden) verweist in ihren Zeichnungen und Collagen auf ihr Verhältnis zur Umwelt. Schmerz, Furcht, Hass und Trauer sind physische und psychische Faktoren, aus denen sich Lindbergs Poesie zusammensetzt.

Bernhard Martin (Frankfurt/a.M.) verschmelzt in seinen Gemälden und Bildobjekten Phantasie und grelle Realität zu grotesken Situationen.

Manfred Peckl (Frankfurt/a.M.) stempelt seine Genreszenen mit doppeldeutigen Begriffen. Die Kneipenbesuche und Badeausflüge werden zu symbolistischen Charakterstudien.

Maria Pask (England, in Amsterdam lebend) zeigt in ihren Videos Performances, die ausschließlich auf dieses Bildmedium ausgerichtet sind. Mit grotesken Situationen, etwa dem maßlosem Essen von Torten, bereitet sie sich und dem Betrachter verzwickte Situationen.

Marco Mazzucconi (Italien, lebt in London) entwirft auf dem PC mittels CD-ROM ein skurriles Sprachbild von Substantiven, begleitenden Adjektiven, Adverbien und Verben, die er dem Wörterbuch entnommen hat und nach dem Prinzip des Zufalls zu abstrusen neuen Bedeutungen verknüpft.

Gert Verhoeven (Belgien) konfrontiert uns bei seinen Tischinstallationen und Zeichnungen mit den psychologischen Alpträumen des Alltags.

Avery Preesman (Niederlande) schafft mit Gemälden und Skulpturen eine archaische Abstraktion, die fast rituell aufgenommen werden kann.

Katerina Vincourova (Tschechien) besetzt mit ihrem riesigen käferartigen Plastikgebilde

Malibu Airways KV das beuyssche Vakuum in der Eingangshalle des Museums Abteiberg. Eine visionäre Aussicht für alle konsumbewussten Urlauber und eine Herausforderung für den Sympathikus. Ein kleiner Ausstellungskatalog erschien nach Ende der Ausstellung.