Museum Abteiberg

THEO ALTENBERG
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Vom Bökelberg zum Friedrichshof

30.6. - 8.9.2002

Theo Altenberg ist Wanderer zwischen verschiedenen künstlerischen Welten. Der gebürtige Mönchengladbacher (geb. 1952) verließ nach einschlägigen Jugenderfahrungen (seiner Begeisterung für Borussia Mönchengladbach) seine Heimatstadt, um seine künstlerischen Erfahrungen an der Werkkunstschule Krefeld in der Wiener Kommune des Aktionskünstlers Otto Mühl in die ästhetische Praxis umzusetzen. Die radikalen Thesen dieser Gemeinschaft: freie Sexualität, Gemeinschaftseigentum, Selbstdarstellung, gemeinsame Kindererziehung versuchten einen utopischen Ausstieg aus der „kleinbürgerlichen“ Realität bezogen auf alle Lebensbereiche zu erreichen. Altenbergs zwischen 1973 und 1978 entstandene Fotoarbeiten sind frühe experimentelle künstlerische Annäherungen an den freien Geist und an die Sehnsucht nach neuer Individualität innerhalb dieser Gemeinschaft.

Teil dieser Befreiung und ihrer Rollenspiele war auch die Selbstdarstellung in der künstlerischen Artikulation des Tänzers, Schauspielers und Musikers. Das dabei frei gewordene Potenzial artikulierte sich in Performances, den Spielfilmen der Kommune (Vincent van Gogh, Pablo Picasso u.a.), eigenen Videos und später in den Projekten elektronischer Musik (Oder Nice, Das Es, seit 1997).

Als Otto Mühl sich in den späten Jahren der Kommune immer mehr zum destruktiven Tyrannen entwickelte, wandte sich Theo Altenberg in einer Phase der inneren Isolation Spracharbeiten zu, in denen er versteckten Bedeutungen von Begriffen nachging: „Ich ordnete die Buchstaben wie auf einer Spielkarte, um in dieser panischen Situation den Begriffen ihre Einsamkeit deutlich zu machen.“

Das Museum Abteiberg zeigt eine Auswahl der Kommunenfotos der siebziger Jahre, die mit psychologischen Porträts von Künstlern wie Joseph Beuys und Dieter Roth sowie Impressionen der Musikszene der achtziger und neunziger Jahre vereint ist. In der unteren Museumsebene sind die als Stickbilder umgesetzten Spracharbeiten zu sehen, deren Ausführung die Mutter des Künstlers übernommen hatte. Eine eigens eingerichtete Videolounge zeigt die Spielfilme und Videos der letzten Jahrzehnte.